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Das Deutsche Städte- und Kulturforum war am 8. und 9. Juni zu Gast in Saarbrücken. Rund 100 Teilnehmer – Geschäftsführer von Tourismusorganisationen, Vertreter aus Ministerien, Verbänden und tourismusnahen Organisationen sowie von städtischen Marketinggesellschaften – folgten der Einladung des Deutschen Tourismusverbandes e.V. und der Kongress- und Touristik Service Region Saarbrücken GmbH.

 

Einige Impressionen der Veranstaltung haben wir in unserer >> Bildergalerie für Sie zusammengestellt.

Kulturangebote touristisch in Wert setzen und revitalisieren

Den Auftakt zum Fachprogramm des Forums bildete der 1. Themenblock zur touristischen Inwertsetzung von Kulturangeboten.

 

Mein bester Feind – der Gast. Wie sich Kulturakteure auf Touristen einstellen
Marketing und Kuratoren lägen noch viel zu häufig im Clinch miteinander, sagte Dr. Heinz Buri, Marketingdirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Denkmalpfleger empfänden Touristen häufig als Störenfriede im „stillen Zwiegespräch des Kurators mit seinem Objekt“. Die Lösung liege in einem klugen Besuchermanagement, denn schließlich gebe es neben dem Erhalten und Erforschen der Exponate auch einen Vermittlungsauftrag zu erfüllen. Dr. Heinz Buri nannte Kombi-Tickets als wichtigstes Besucherlenkungs-Tool.

UrbanArt Biennale und das Museum of tomorrow
Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte setzt Generaldirektor Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig auf Inszenierung statt reiner Gedächtniskultur. Man müsse das Objekt mit Konzerten, Performances oder Science Shows beleben. „Keine Angst vor Blockbuster-Ausstellungen“ lautete sein Rat an die Kulturkollegen. Man müsse weg vom Dünkel der Hochkultur, der zur Folge habe, dass Besucher fernblieben, nach dem Motto „das ist top, wo ich nicht bin“. Kulturstätten müssten als Orte, an denen man sich wohl fühle, als „third place“ nach Wohnung und Arbeit funktionieren. Die Industriekultur sei der Kulturbegriff des 21. Jahrhunderts.

Das Stadtlabor: ein partizipatives und gegenwartsorientiertes Dauerausstellungsformat
Der Mitarbeiter einer Bank, der Jugendliche oder der leidenschaftliche Schwimmer: Sie alle erleben ihre Stadt jeweils anders. Das mache sich das Ausstellungsformat „Stadtlabor“ zu eigen, erklärte Dr. Corinna Engel vom historischen museum frankfurt. Nach dem Motto „jeder ist ein Experte für seine Stadt“ werden seit 2010 jedes Jahr zusammen mit Frankfurter Bürgern Ausstellungen zu wechselnden Themen entwickelt. Durch die Bürger-Co-Kuratoren bietet das Mitmach-Format ein Abbild dessen, was im jeweiligen Ausstellungsjahr für die Stadtbewohner relevant war und schafft somit interessante Einblicke für Touristen, die in den persönlichen Bereich der Frankfurter eintauchen wollen.

Kommunikation in der Krise

Im Anschluss diskutierten Elke Dens, Marketingdirektorin von VISITFLANDERS in Brüssel, Josef Sommer, Geschäftsführer der KölnTourismus GmbH und Thomas C. Wilde, Geschäftsführer der Agentur Wilde & Partner Public Relations GmbH, die viele Kunden aus der Touristik und u.a. den PR-Etat der Deutschen Zentrale für Tourismus betreut, das Thema „Kommunikation in der Krise“.

Städte wie Brüssel, Düsseldorf, Dresden, Köln oder Paris stehen derzeit im Zusammenhang mit Gewaltereignissen oder geplanter Gewalt. Im Mittelpunkt der Diskussion stand daher die Frage: Was bedeutet das für die Kommunikation der betroffenen touristischen Akteure?

Thomas C. Wilde von der Agentur Wilde & Partner sagte in einem Impulsreferat, die Veränderung der Medienlandschaft durch Soziale Medien habe zur Folge, dass „freie Fahrt für Brandbeschleuniger“ herrsche: Gerüchte könnten teilweise journalistisch nicht mehr richtig gestellt werden, die klassische „Gatekeeper-Rolle“ des Journalisten falle zusehends weg. Entscheidend für betroffene Akteure sei zu begreifen, wann man sich im Zustand einer Krise befinde. Proaktiv, sofort und ungefiltert auf Anfragen reagieren? Das sei nicht zwangsläufig die richtige Reaktion, so der Berater. Man müsse sich nicht jeder Berichterstattung „ausliefern“. Wichtig sei, abzuwägen und zu differenzieren, auf welche Fragen man tatsächlich antworten könne. In manchen Fällen sei auch die Hinzunahme juristischer Beratung empfehlenswert. Eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Krisenkommunikation sei außerdem die interne Vernetzung. Es müsse geklärt sein, wen man wann und wo erreichen kann.

Elke Dens von VISITFLANDERS in Brüssel berichtete von den Erfahrungen mit den Terroranschlägen vom 22. März. Wichtig sei ein funktionierendes Stakeholder-Management, um alle Partner so schnell wie möglich zusammenbringen. Außerdem die einheitliche Herausgabe von möglichst objektvierten Informationen: Alle involvierten Stellen sollten eine Standardantwort, bspw. mit relevanten Telefonnummern und Anlaufstellen, verwenden. Der direkte Draht zur obersten Ebene sei ebenfalls entscheidend.

Josef Sommer von KölnTourismus sprach zu den Fragen, die sich die Touristiker im Nachgang zu den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht stellten: Ist das eine touristische Krise? Auf welche Fragen müssen wir antworten? Wichtig sei gewesen, sich auf das zu konzentrieren, was man beantworten könne. Also keine politischen, sondern lediglich Sicherheitsfragen (Maßnahmen der Stadt zur Verbesserung der Sicherheit wie bspw. mehr Polizeipräsenz). Außerdem habe man ein Questions-and-answers-Sheet zu Gästefragen erstellt.

Vernetzung im Städte- und Kulturtourismus

Am zweiten Veranstaltungstag stand das Thema „Vernetzung im Städte- und Kulturtourismus“ im Fokus.

Vier Städte – Drei Länder – Ein Erlebnis: Tourismus im grenzenlosen europäischen Raum am Beispiel Quattropole
Die Gäste zwischen vier Städten hin und her zu bewegen, statt sie nur in eine Stadt zu holen, sei das Grundprinzip des Städtenetzes QuattroPole, erklärte Alexander Hauck, Geschäftsführer der Kongress- und Touristik Service Region Saarbrücken GmbH. Mit dem Zusammenschluss Saarbrücken - Metz - Luxemburg - Trier sei es gelungen, aus einem vermeintlichen Standortnachteil am Rande von Deutschland einen Standortvorteil zu gewinnen: Mitten in Europa. Keine Dachmarke, aber gemeinsame Themen und Marketingmaßnahmen sowie effiziente Aufgabenteilung, so erklärte Alexander Hauck das Erfolgsprinzip. Es basiere lediglich auf gegenseitiger Absprache einer Arbeitsgruppe Tourismus innerhalb des primär politischen Bündnisses.

Kulturtouristische Potenziale durch Partnerschaften besser nutzen
Den „schlafenden Riesen“ wecken, dazu forderte Michael Hörrmann, Vorstandsmitglied Verein Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. die anwesenden Touristiker auf. Er bezeichnete Schlösser, Burgen, Klöster und Gärten als nach wie vor unterschätzten strategischen Partner für den Tourismus. Die Abstimmung mit den Füßen der Touristen habe man bereits gewonnen, so Michael Hörrmann. Man sei „mit Abstand der wichtigste kulturtouristische Anbieter“. Es sei an der Zeit, die Chancen einer Partnerschaft zu erkennen und mit ausgestreckter Hand zu ergreifen.

Home Sharing auf dem Prüfstand - Fluch oder Segen?

Danach ging es in einer Talkrunde um die Frage: „Home Sharing auf dem Prüfstand – Fluch oder Segen?“ Frank Hofmann, Geschäftsführer der gloveler GmbH, Michael Schlößer, Geschäftsführer der Basecamp Bonn UG und Betreiber eines Boardinghouses und eines Bonner Hotels, sowie Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer vom DEHOGA Hessen e.V. diskutierten über die Chancen und Herausforderungen, die durch Vermittlungsportale wie Airbnb, gloveler und Co. entstanden sind.

Frank Hofmann von gloveler sagte, das Argument „knapper Wohnungsmarkt“ sei im Zuge von kommunalen Zweckentfremdungsverboten Teil einer verlogenen politischen Diskussion: Das Beispiel Berlin zeige, dass die Rückführung von touristisch vermieteten Wohnungen nicht dazu geeignet sei, die Wohnungsnot und das Problem der hohen Mieten zu lösen. Er räumte ein, dass Plattformen wie gloveler ihre Gastgeber aufklärend unterstützen könnten, sich an rechtliche Vorschriften und Steuerregeln zu halten, aber keine Garantie für die Einhaltung geben könnten. Die Herausgabe von Nutzerdaten zur Weiterleitung an öffentliche Stellen sei eine rechtlich schwierig zu bewertende Frage. Nutzerbewertungen wertete Frank Hofmann als die „neuen Sterne“ und das Qualitätsmerkmal für Gäste und Gastgeber.

DEHOGA-Vertreter Julius Wagner sagte, die innovativen Entwicklungen täten der Hotellerie grundsätzlich gut. Er prangerte jedoch die Ungleichbehandlung an, z.B. bei Auflagen und Steuern, denn viele Airbnb-Anbieter hätten de facto dauerplanmäßige Geschäftsmodelle und seien somit gewerbliche Marktteilnehmer. Eine klare Unterscheidung gewerblicher und privater Anbieter sei daher notwendig. Er forderte, die Wettbewerbsbedingungen mindestens auf Bundesebene, besser noch auf europäischer Ebene zu regeln, ohne die Innovationskraft zu beschneiden. Aus seiner Sicht sollten die Vermittlungsplattformen ihre Daten offenlegen.

Boardinghouse-Vermieter Michael Schlößer forderte ebenfalls die Offenlegung von Kundendaten und die Einhaltung von Pflichten für alle Marktteilnehmer. Eine bundesweit einheitliche Behandlung sei Lösungen, die von Stadt zu Stadt variierten, vorzuziehen. Man müsse den Kleinstvermietern helfen, sich in Bezug auf Meldepflichten, Auflagen und Steuern im sicheren und legalen Bereich zu bewegen. Home Sharing eröffne darüber hinaus vielleicht sogar neue Chancen und Geschäftsfelder für die Hotellerie. Bspw. im Bereich der Dienstleistungen rund um die Übernachtungsangebote der privaten Gewerblichen (Check in, Schlüsselübergabe, Reinigung, etc.).

TRENDTICKER

Die Tagung endete mit einem Trendticker und Kurzreferaten zu verschiedenen Themen des Städte- und Kulturtourismus.

Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. verfolge die Schaffung eines Berufsbildes „Stadtmarketing“, so Geschäftsführer Jürgen Block. Die noch junge Disziplin benötige außerdem eine stärkere Durchdringung in den politischen Strukturen der Kommunen. Ein „Handbuch Stadtmarketing“ erscheint im Herbst.

Das Kulinarische liegt Michael Buchna, Geschäftsführer des Hotels zur Saarschleife in Orscholz, am Herzen: Auch mal Hammel oder Taube statt immer nur Schwein und insgesamt weniger Fleisch, lautete sein Plädoyer. Auf der Speisekarte solle es so vielfältig zugehen, wie Region und Saison es erlauben.

Wie wird aus einer ungewöhnlichen Location und einer Event-Idee ein Erfolgsduo? Antworten auf diese Frage präsentierten Michael Schlößer und Thomas Lenz am Beispiel des BaseCamp Bonn, einem Indoorcampingplatz mit unkonventionellen Übernachtungsmöglichkeiten. Lücken im lokalen Event-Kalender aufspüren, vernetzungsstarke Events entwickeln und eine öffentliche Datenbank erstellen, mit Orten, die Potenzial für eine Veranstaltung bieten, lauteten die Tipps der Experten.

Dem Gast das urbane Lebensgefühl abseits touristischer Pfade vermitteln – das will KölnTourismus mit dem Schwerpunktthema „#urbanCGN – cologne urban lifestyle“. Stephanie Kleine Klausing, Director Conventions & Marketing, erklärte, wie das funktioniert: Für einzelne Stadtteile z.B. thematisches Interesse wecken (Designveedel/-kiez), subjektive Empfehlungen geben (bester Plattenladen), Geschichten erzählen (Bloggerkooperationen, Lokalszene kontaktieren). Zeitintensiv, aber glaubwürdig sei diese Form der Vermarktung.

Wie „angelt“ man den „Auch-Kultur-Touristen“? Auf diese Frage hatte Christian Martin Lukas, Geschäftsführer der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH gleich mehrere Antworten: Eher „unsexy“, aber die Basis für den Erfolg sei eine zentrale Veranstaltungsdatenbank. Dezentrale Veranstaltungsmomente, Bürger zu Akteuren machen, Kultur auf die Straße bringen und „Eventionalisierung“ der Kultur seien Schlüssel zum Erfolg. Er nannte das Beispiel HanseKulturFestival.

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